Blog

Automatisierung im Health Care: Zwischen Entlastung, KI, Robotik und Qualitätssicherung

Geschrieben von Simone Wünsch | Freitag, 2.10.2026

Der Smart Health Automation Summit 2026 in Düsseldorf hat deutlich gezeigt: Automatisierung, KI und Robotik sind im Gesundheitswesen keine ferne Zukunftsvision mehr. Sie sind bereits heute Teil konkreter Lösungen und angesichts des demografischen Wandels zunehmend eine Notwendigkeit.

Für TestSolutions waren Gillian Trombke, Ferdinand Ptak und Simone Wünsch vor Ort. Neben spannenden Vorträgen aus Forschung, Klinik, ambulanter Pflege, Industrie und Robotik standen vor allem der persönliche Austausch, intensive Gespräche und neue Perspektiven auf die Zukunft von Healthcare im Mittelpunkt.

Die zentrale Erkenntnis beider Tage: Pflege und Medizin sind schon heute stark belastet. Der Fachkräftemangel, steigende Dokumentationsanforderungen und eine alternde Gesellschaft verschärfen diese Situation weiter. Ein Satz aus dem Summit bringt es auf den Punkt: „Wir werden älter, aber nicht gesund älter.“ Immer mehr Menschen benötigen über viele Jahre medizinische Versorgung und Pflege – während die verfügbaren personellen Ressourcen knapper werden.

 

Automatisierung als notwendige Entlastung

Ein Gedanke zog sich durch viele Vorträge und Gespräche: Automatisierung soll Fachpersonal entlasten, nicht ersetzen. Die Reduzierung des Zeitaufwands für Dokumentation, Suchaufgaben, Transportwege und repetitive Tätigkeiten sowie die Gewinnung von mehr Zeit für Patientinnen und Patienten ist das Ziel im Health Care Bereich.

Damit verändert sich auch der Blick auf Technologie im Gesundheitswesen. KI und Robotik werden nicht als Selbstzweck diskutiert, sondern als Mittel, um Prozesse zu stabilisieren, Menschen zu unterstützen und Versorgungsqualität langfristig zu sichern.

Besonders eindrucksvoll war das Beispiel KI-gestützter Diagnostik. Auf dem Summit wurde berichtet, dass KI Signaturen von Krankheiten erkennen kann, lange bevor sie für das menschliche Auge sichtbar werden. In der Mammographie kann dies zu einer um knapp 20 Prozent höheren Früherkennungsrate beitragen. Hinter solchen Zahlen stehen keine abstrakten Effizienzgewinne, sondern potenziell frühere Diagnosen und bessere Behandlungschancen.

 

Robotik ist bereits im Alltag angekommen

Die Vorträge machten deutlich, wie konkret Automatisierung und Robotik im Gesundheitswesen bereits heute sind. Vorgestellt wurden unter anderem Lösungen für den Transport von Proben, Betten, Geräten und weiteren Lasten in Krankenhäusern. Auch Anwendungen zur Unterstützung von COPD-Patientinnen und -Patienten im Alltag oder digitale Biografiearbeit für Menschen mit Demenz zeigten, wie vielfältig die Einsatzfelder sind.

Ein anschauliches Beispiel war ein neuer Transportroboter von NEURA Robotics, der autonom Krankenhausbetten und andere Lasten bis zu 400 Kilogramm bewegen kann und dabei in bestehende IT- und Logistikinfrastrukturen eingebunden wird. Ebenfalls spannend war der Vortrag „Automatisierung mit Robotik im Gesundheitswesen: Mehr Innovationen für mehr Menschlichkeit“ von Wassim Saeidi von der United Robotics Group. Vorgestellt wurde unter anderem uMe als humanoider Roboter; unser Kollege Gillian Trombke konnte vor Ort die Voice Interaction zum Messen seiner Vitalwerte testen. Solche Lösungen zeigen: Automatisierung findet nicht nur in Laboren oder Zukunftsszenarien statt, sondern adressiert verschiedene Herausforderungen im Klinikalltag.

Auch der Blick auf Asset Management im Krankenhaus war aufschlussreich. Wenn Pflegefachkräfte pro Schicht viel Zeit mit der Suche nach Geräten oder Materialien verbringen, wird deutlich, wie groß das Potenzial digitaler Nachverfolgung, Sensorik und besserer Transparenz ist. Digitalisierung kann hier helfen, Schwund zu reduzieren, Einkaufsplanung zu verbessern und wertvolle Zeit im Arbeitsalltag zurückzugewinnen.

 

Die Technologie ist da – die Umsetzung bleibt anspruchsvoll

So vielversprechend viele Lösungen sind: Der Summit hat auch offen gezeigt, woran Automatisierungsprojekte im Gesundheitswesen häufig scheitern. Nicht immer ist die Technologie das größte Hindernis. Oft liegen die Herausforderungen in den Grundlagen: fehlende Netzabdeckung auf Station, Systeme ohne geeignete Schnittstellen, nicht angepasste Prozesse, bauliche Gegebenheiten oder fehlende Akzeptanz bei den Menschen, die mit den Systemen arbeiten sollen.

Ein wichtiger Punkt war deshalb die Rolle von Organisation, Change und Beteiligung. Wer Automatisierung erfolgreich einführen will, muss Prozesse nicht nur digitalisieren, sondern häufig neu denken. Technologie muss in bestehende Abläufe passen oder diese sinnvoll weiterentwickeln. Genau hier entscheidet sich, ob aus einer guten Idee ein belastbarer Einsatz im Alltag wird.

Auch Medical Service Design wurde als ein Ansatz vorgestellt, um Veränderungsschwierigkeiten strukturiert zu begegnen. Der Fokus liegt dabei darauf, digitale Lösungen nicht an den Bedürfnissen von Nutzerinnen und Nutzern vorbei zu entwickeln, sondern sie frühzeitig in Gestaltung, Erprobung und Verbesserung einzubeziehen.

 

Mensch und Maschine: Unterstützung statt Ersatz

Mehrere Beispiele machten deutlich, wie wertvoll Automatisierung sein kann, wenn sie menschliche Arbeit gezielt ergänzt. Ein Reha-Roboter wie „Thery“ unterstützt Patientinnen und Patienten beim Gangtraining nach Operationen, passt sich ihrem Tempo an, gibt Hinweise und dokumentiert Übungen. Dadurch wird therapeutisches Fachpersonal nicht ersetzt. Vielmehr kann es sich stärker auf individuelle Betreuung, fachliche Einschätzung und gezielte Unterstützung konzentrieren.

Auch das vom Fraunhofer IPA und dem LMU Klinikum München vorgestellte Beispiel des Roboters „Helga“ für den Einsatz in der Kinderchirurgie zeigte, wie Technologie repetitive Beobachtungs- und Prüfaufgaben unterstützen kann. Beispielsweise müssen Kinder mit leichter Gehirnerschütterung über einen bestimmten Zeitraum überwacht werden. Solche Anwendungen verdeutlichen das Potenzial von Assistenzsystemen, wenn sie sinnvoll in medizinische Abläufe integriert werden.

Die entscheidende Botschaft lautet: Die Medizin der Zukunft wird technischer, kann dadurch aber auch menschlicher werden. Wenn Technologie Routineaufgaben übernimmt, bleibt mehr Zeit für Gespräche, Zuwendung, fachliche Bewertung und individuelle Versorgung.

 

Warum Qualitätssicherung jetzt entscheidend wird

Je mehr Verantwortung Software, KI und Robotik im Gesundheitswesen übernehmen, desto wichtiger wird aus unserer Sicht und Erfahrung eine saubere Qualitätssicherung. Denn in Healthcare-Umgebungen reicht es nicht aus, dass ein System im Demo-Modus funktioniert. Es muss im realen Betrieb zuverlässig, sicher, nachvollziehbar und akzeptiert sein.

Dazu gehören unter anderem:

  • funktionale Tests über reale Prozessketten hinweg,
  • Schnittstellentests zwischen bestehenden IT-Systemen und neuen Automatisierungslösungen,
  • Tests zur Sicherheit und Robustheit im laufenden Betrieb,
  • Prüfung von Datenqualität, Nachvollziehbarkeit und Dokumentation,
  • Usability- und Akzeptanztests mit den späteren Nutzerinnen und Nutzern,
  • Validierung von KI-Ergebnissen und Entscheidungsunterstützung,
  • sowie die Einbettung in regulatorische, organisatorische und qualitätsbezogene Rahmenbedingungen.

Gerade im Life-Science-Umfeld ist die Qualitätssicherung nicht nur ein technischer Schritt am Ende eines Projekts. Sie ist ein zentraler Bestandteil erfolgreicher Transformation. Nur wenn Systeme verlässlich getestet, integriert und überwacht werden, entsteht Vertrauen bei Fachpersonal, Organisationen, Partnern sowie bei Patientinnen und Patienten und bei Audits.

 

Unser Fazit vom Smart Health Automation Summit

Der Smart Health Automation Summit 2026 war eine überschaubare, aber sehr wertvolle Veranstaltung mit intensiven Gesprächen, starken Impulsen und einem klaren Blick auf die Herausforderungen im Gesundheitswesen. Die Botschaft war eindeutig: Automatisierung und Robotik werden angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels zu einem zentralen Bestandteil der medizinischen Versorgung.

Auf den universell einsetzbaren humanoiden Roboter, der von der Pflege bis zur Visite alles übernimmt, werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. Vieles andere ist aber bereits heute möglich. Jetzt geht es darum, vorhandene Innovationen sicher, verlässlich und akzeptiert in den Alltag zu bringen.

Für uns als TestSolutions ist genau das der entscheidende Punkt: Die Technologie entwickelt sich schnell. Damit sie nachhaltig wirken kann, braucht sie Qualitätssicherung, Testing, Prozessverständnis und Vertrauen.

Die Automatisierung im Gesundheitswesen ist alternativlos. Ihr Erfolg hängt jedoch davon ab, wie gut sie getestet, integriert und von den Menschen angenommen wird.

 

 

Sie möchten Healthcare-, Life-Science- oder Automatisierungslösungen sicher und verlässlich in bestehende Prozesse integrieren?

TestSolutions unterstützt bei Qualitätssicherung, Teststrategie, Validierung und Testing komplexer Software-, KI- und Automatisierungssysteme.